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Unser aktueller Einzelfall: Nasim Salimzoda - Tadschikistan

Nasim Salizoda, geboren am 17.2.1990, ist Lehrer aus Khojai Alo in der Sughd Region in Tadschikistan. Am 12. Und 13.9.2011 wurden er und vier weitere Mitbewohner seines Dorfes von der Polizei wegen des Verdachts des Mordes an einem Militärangehörigen festgenommen. Alle fünf und der Ermordete hatten an einer örtlichen Hochzeit teilgenommen, von der der Militätangehörige verschleppt worden war. Dies passierte laut Informationen um 21.00 des Abends, um 21:30 wurde Nasim jedoch noch auf der Hochzeit gesehen.

Alle Verdächtigen wurden in Isfara, ebenfalls der Sughd Region angehörig, festgehalten. Am 13.9. „gestanden“ sie den Mord und die Geständnisse wurden auf Video festhalten. Diese wurden jedoch angeblich unter Misshandlungen seitens der Polizei erwirkt. Am 15.9. zogen alle Männer ihre Aussagen zurück und haben an, unter physischem und psychischem Druck gestanden zu haben. Seitdem beteuern sie ihre Unschuld.

In Haft erlitt Nasim schwere Misshandlungen, er durfte drei Tage nicht essen oder schlafen. Die Eltern konnten ihren Sohn beim Besuch der Polizeistation schreien hören. Die Polizeiangehörigen bestritten diese Anschuldigungen jedoch. Ein gerichtsmedizinisches Gutachten, das erstellt wurde, passierte in Abwesenheut des Anwalts und es wurde kein Bericht über die Ergebnisse veröffentlicht. Später zeigten sie ihre blauen Flecken, die in Folge der Misshandlungen entstanden, dem Richter, der diese Vorwürfe allerdings ignorierte.

Am 20. Und 21.9. wurden die Angeklagten vor Gericht gestellt und am 7.3.2012 zu Haftstrafen zwischen 10 und 12 Jahren verurteilt. Derzeit sind sie im Gefängnis in Khujand-Stadt inhaftiert.

Bezüglich der tatsächlichen Täter gibt es Gerüchte, dass es sich im Verwandte von Staatsbedienstete handele und die lokale Polizei daher den Mord nicht weiter untersuchen möchte. Amnesty International geht davon aus, dass Nasim und die Mitangeklagten ein unfaires Gerichtsverfahren erhalten haben. Außerdem wurden die Beweise auf Folter und anderen Misshandlungen ignoriert und Druck auf die Zeugen ausgeübt. Wir möchten erwirken, dass die Vorwürfe untersucht werden und der Fall neu aufgerollt wird.


Unsere letzten Einzelfälle:


Dongria Kondh - Indien

Die Dongria Kondh sind eine gefährdete „primitive tribal group“ (eine eigene Kategorie unter den Scheduled Tribes) und leben mit etwa 8.000 Angehörigen im ostindischen Bundesstaat Orissa. Das Leben und die Lebensgrundlagen der Dongria Kondh sind durch Pläne für eine Bauxitmine bedroht. Der britische Konzern Vedanta Resources versucht eine riesige Miene in den Berg zu schlagen der die Lebensgrundlage für die 90 umliegenden Dörfer darstellt. 2009 hatte sich die indische Regierung gegen das Projekt entschieden, doch wird diese Entscheidung nun stark von der Orissa Mining Corporation angegriffen. Die OMC behauptet, sie habe die möglichen Auswirkungen der Mine auf die lokale Bevölkerung und die Umwelt berücksichtigt. Dies trifft jedoch nicht zu, die Umsetzung der Pläne würde eine verheerende Wirkung auf die Gemeinschaft haben.

Hintergrundinformationen

Die Dongria Kondh leben auf ihrem Land im Einklang mit der Natur ein bisher sehr einfaches Leben, sind daher hauptsächlich Analphabeten und haben keine guten Überlebenschancen sollten sie in ein Ballungsgebiet vertreiben werden. Ihr Land und Lebensraum stehen unter dem besonderen Schutz der indischen Verfassung. Ihre Kultur, ihr spirituelles Leben und ihre wirtschaftliche Existenz sind aufs engste mit den Niyamgiri Hills verknüpft. Die Hügel bilden einen biologisch reichen und vielfältigen Lebensraum, die Flüsse sind für viele Dörfer die einzige Versorgung mit Wasser. Die Dongria Kondh leben vom Jagen und Sammeln (Lebensmittel) und vom Wanderfeldbau. Sie finden in den Hügeln Holz, Nahrungs- und Heilpflanzen, und sie bauen Ingwer, Hirse, Kurkuma, Bohnen und anderes Gemüse an. Sie verwenden dies nicht nur zum eigenen Konsum, sondern verkaufen Produkte, die sie aus natürlichen Materialien der Wälder herstellten, auch in den Dörfern weiter unten und in den Ebenen.

Aktueller Stand

Das Oberste Gericht in Indien stärkte am 18.04.2013 die Rechte der Dongria Kondh. Es entschied, dass der britische Konzern Vendanta Resources ohne die Genehmigung der indigenen Gemeinschaft kein Bauxit an ihrem Berg abbauen dürfen. Dies stellt einen großen Erfolg für die Stärkung der indigenen Rechte in Indien dar. Weitere Informationen zum Urteil können hier eingesehen werden.

Weiter Informationen findest Du unter anderem hier und hier. Es gibt auch eine aktuelle Online-Petition. (English)


Malik Medjnoun

Neuigkeiten: Mittlerweile gibt es im Fall Malik Medjnoun ein Urteil. Er wurde nachträglich zu 12 Jahren Haft verurteilt und konnte die bisher unrechtmäßig abgesessen Jahre geltend machen. Daher kam er im Mai 2012 frei.

Malik Medjnoun befindet sich seit 1999 in Haft, ohne dass bislang ein Prozess stattgefunden hat. Er war am 28. September 1999 nach dem Mord an Lounes Matoub festgenommen worden, einem Sänger und Kritiker der algerischen Regierung. Seit der Aufnahme des Verfahrens im Mai 2001 wurde sein Prozess immer wieder verschoben. Nach seiner Festnahme wurde Malik Medjnoun über sieben Monate lang ohne Kontakt zur Außenwelt in einer Kaserne in Algier in Haft gehalten. Er gab an, dass er dort mit dem Griff einer Spitzhacke geschlagen, mit Elektroschocks gequält und gezwungen worden sei, schmutziges Wasser und andere Flüssigkeiten zu trinken. In den folgenden Monaten wurde er seinen Angaben zufolge täglich von Gefängniswärtern geschlagen und erhielt nicht ausreichend zu essen. Er war schließlich so geschwächt, dass er nicht mehr aufstehen konnte, und wurde in das Militärkrankenhaus in Blida südlich von Algier gebracht. Malik Medjnoun wurde am 4. und 6. März 2000 dem Staatsanwalt und am 2. Mai 2000 einem Untersuchungsrichter in Tizi Ouzou vorgeführt. An keinem dieser Termine hatte er einen Rechtsbeistand. Am 2. Mai 2000 teilte man ihm mit, er sei wegen „Zugehörigkeit zu einer bewaffneten terroristischen Gruppierung“ und wegen des Mords an Lounes Matoub angeklagt. Dieser Anklage war die Aussage eines anderen Mannes vorausgegangen, der sein „Geständnis“ später aber wieder zurückzog und angab, er hätte es unter Folter abgelegt. Malik Medjnoun befindet sich derzeit im Gefängnis von Tizi Ouzou. Lounes Matoub wurde am 25. Juni 1998 von Unbekannten erschossen. Die Umstände des Verbrechens sind bislang ungeklärt, und sein Tod wurde nie ordnungsgemäß untersucht. Bitte schreibt höflich formulierte Briefe an den algerischen Präsidenten und fordern Sie die Freilassung von Malik Medjnoun, da die Behörden ihn über zehn Jahre lang nicht vor Gericht gestellt haben. Bittet den Präsidenten, eine umfassende und unparteiische Untersuchung der Foltervorwürfe von Malik Medjnoun zu veranlassen und sicherzustellen, dass der Mord an Lounes Matoub aufgeklärt wird.

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